Predigt zum Pallottitag: Christus modellum nostrum  – com-unio
     Wir haben gelernt, wie Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen. Doch haben wir die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben (Martin Luther King)

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Offene Treffen, jeweils
Sonntag um 19:00 Uhr:


26. April 2026

23. Mai 2026
Königin der Apostel


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ChristusModellumNostrumEin Schriftgelehrter hörte Jesus zu, und bemerkte, wie treffend Jesus antwortete. Da ging er auf ihn zu und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre Israel, der Herr unser Gott ist der Einzigste! Darum sollst Du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und Deiner ganzen Kraft! Als zweites kommt hinzu: Du sollst Deinen Nächsten lieben, wie Dich selbst! Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden!

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Pallottibild unserer Kirche ist ganz unscheinbar und wird oft übersehen. Heute können Sie es nicht übersehen, denn Schwester Phrysila hat das Bild mit einem wunderschönen Blumenschmuck geehrt. Hier vorne von Ihnen aus links sehen Sie Vinzenz Pallotti als Lehrer, entworfen von Ludwig Baur, ein Mosaik aus Steinen dieser Region. Vinzenz Pallotti als Lehrer, das  ist recht so, denn an einer Hochschule darf auch daran erinnert werden, dass Vinzenz Pallotti in jungen Jahren zum Doktor der Theologie promoviert wurde. Seine Eltern erfuhren über Umwege davon.  Er nahm das mühsame Amt des Repetitors an der Sapienza an. 10 Jahre half er den jungen Studenten den Stoff zu kapieren, den sie in den Vorlesungen gehört hatten. 

Manchmal mag sich Vinzenz gedacht haben, warum drücken sich Professoren immer so kompliziert aus, das hätte ich dreimal besser den Studenten erklären können. Er war bis zu seinem Tode am 22.1.1850  Spiritual am Propagandakolleg und dem Römischen Seminar. Sein ganzes Leben war Vinzenz Pallotti den Studierenden in Rom verbunden und half ihnen, besonders jenen, die aus aller Welt am Colegio Urbano studierten.  Bis heute kommen die Studenten des Colegio Urbano am ersten Tag des Triduums in unsere Generalatskirche San Salvatore und pflegen die Tradition, dass sie einen Antwortbrief an Vinzenz Pallotti mitbringen und in der Liturgie verlesen. 1849 hatte Vinzenz Pallotti den Studenten im Colegio Urbano geschrieben und sie mit bewegenden Worten ermutigt in dieser schweren Zeit, den politischen Wirren durch zu halten, der Kirche und Christus treu zu bleiben. In diesem Jahr hat die Antwort der Studenten Rio Chandra vorgelesen, ein Student aus Indonesien. Rio schreibt: 

„Wenn wir nur auf unsere Verwirrung und unsere Sorgen schauen, dann wird alles schwierig, tutto sara difficile.  Wenn wir stattdessen Jesus kennen und wissen, dass der Heilige Geist und Maria bei uns sind, tutto sará facile!“ alles wird einfacher!

Damit hat Rio genau das umschrieben, was Vinzenz Pallotti wichtig war: Der Blick auf Jesus. Darum stehen unter dem Mosaik hier in unserer Kirche drei Wörter: Christus modellum nostrum. Christus ist unser Vorbild. So wie Jesus Christus lebte, so wollen auch wir leben. Aber was hieß das für Vinzenz Pallotti? Was heißt das für unsere Zeit? Für unsere Hausgemeinschaft?

Jesus Christus, das zeigen uns die Evangelien, war kein Einzelkämpfer. Er war, wie wir heute sagen würden, ein Netzwerker. Er suchte gleich zu Beginn seines Wirkens Menschen, die mit ihm wanderten, mit ihm zu Zeugen wurden eines Gottes, den er Vater nannte. In dem Bewußtsein, dass unser Gott Schöpfer aller Menschen ist und wir ihn Vater nennen dürfen, denn wir sind seine geliebten Töchter und Söhne. So sehr geliebt, dass er seinen eigenen Sohn in die Welt sendet, um einen Neubeginn der Beziehung zu Gott zu starten: diese Beziehung heißt Liebe. 

Gott liebt den Menschen und die Antwort des Menschen darf sein, dass wir aus ganzem Herzen Gott lieben. Darum gibt uns Jesus dieses erste Gebot: Du sollst Gott lieben! Wer aber Gott liebt, so wie Jesus ihn liebte, der kann nicht anders, als sich selbst und den Nächsten lieben. Darum Christum modellum nostrum! Einer der Leitworte Pallottis, einer unserer Grundsätze. Wir wollen es Jesus gleich tun. Wie ER: Gott lieben und mit ihm liebend miteinander umgehen. 

Was hieß das für Vinzenz Pallotti? Er war genau wie Jesus ein Netzwerker. Den vielen Studenten und Menschen in Rom war mit Liebe zugetan und half, wo er konnte. Besonders den Studenten am Colegio Urbano, wo auch viele Deutsche und Amerikaner studierten. Mit vielen hielt er noch lange Kontakt, so auch mit Ferdinand Kühr aus Paderborn, dem er half Wohltäter zu finden für eine Kirche für die arme deutsche Gemeinde in Chincinneti/ USA. Im  Urbano lernte er auch die Not der orientalischen Christen kennen und dies war auch der Anlass für die Gründung unserer Gemeinschaft. Er verband Menschen aus allen  Riten und Völkern in seiner Feier der Epiphanie in Rom. Pallotti liebte diese Katholische Kirche, die für ihn bunt und vielfältig war, diese an Vielfalt so reiche Kirche wollte er in den Feiern der Oktav zu Dreikönig die Leute in Rom erleben lassen.

Die ersten Mitglieder der Vereinigung kamen aus Chaldäa, aus Frankreich,  aus England, Irland, aus Sardinien, aus Piemont, der Lombardei, aus Neapel, aus Rom und, und, und. Die ersten Mitglieder der Vereinigung bereiteten sich vor auf die Mission in den USA, Brasilien, Australien und dem Norden Afrikas. Pallotti hatte die Welt im Blick und das, was die Menschen  in dieser seiner Zeit brauchten: Seelsorge, Leibsorge! Darum sandte er seine fähigsten Leute direkt nach London, um dort den Italienern beizustehen, die dort Arbeit fanden, aber oft in größter Not lebten und als Katholiken verachtet wurden. 

Im Aufruf an die Römer zur Feier der Epiphanie schreibt er, dass die Römer eine besondere Verantwortung haben für die Weltkirche, denn ihr seid als  Römer Weltbürger! Damit hat Vinzenz Pallotti genau das ausgedrückt, was es heißt: Christus modellum nostrum! Jesus Christus ist der Welterlöser. Für mich ist Jesus der erste Weltbürger. Denn er schaut nicht auf Volk und Nation. Jesus schaut auf den Menschen. Jeder Mensch ist Gottes grandiose Schöpfung. Stammt aus seiner Liebe und diese Liebe will, dass jede und jeder von uns liebend gerne lebt und vollendet wird in einer Liebe, die uns ewig gilt. Diese Liebe brannte in Jesus Christus. Von dieser Liebe war Pallotti entzündet. Diese Liebe lies ihn zum Weltbürger werden. 

Was heißt das für unsere Zeit? „Deutschland den Deutschen“, so wenig durchdachte Parolen haben bei uns Christen keinen Platz! Wir Christen sind Weltbürger, wir Katholiken sind als erstes Römer, weltweit denkend,  und wir sind hoffentlich so schlau, dass wir wissen: Deutschland funktioniert nicht ohne die Welt, denn von dort kommen unsere Rohstoffe. Deutschland bricht zusammen, wenn solche Parolen wahr würden. Denn ohne die vielen Menschen aus aller Welt, bekämen wir unsere Alten und Kranken nicht gepflegt, müßten 90% unserer Restaurants schließen, die IT würde zusammen brechen, denn die sitzt für Siemens und viele Firmen in Bangalore und, und, und. Ich bin dankbar allen, die in diesen Tagen dafür auf die Straße gehen: Deutschland den Menschen!

Was heißt das für unsere Hausgemeinschaft? Ich bin Gott so dankbar, dass ich Pallottiner bin. Dass hier im Haus Schwestern und Brüder aus Indien, Nigeria, Malawi, Südafrika, Taiwan, Österreich, Deutschland,  aus 5 Ordensgemeinschaften und vier indischen  Diözesen leben. Das macht unser Leben reich und bunt und lebenswert! Ich bin gerne Christ, Katholik!  Ich bin sehr dankbar als Weltbürger leben zu dürfen!  Das ist eine Herausforderung, aber die gehe ich an mit Genuss! Der Genuss wird getrübt. Das weis ich auch, da hat der Brief der Studenten des Colegio Urbano, von Rio Chandra recht: „Wenn wir auf die Verwirrung und Sorgen schauen…“

Ja, ich frage mich manchmal, kann ich es noch verantworten, junge Mitbrüder zum Priestertum zu begleiten? In dieser Zeit, da wir Priester sehr angefragt sind, ja manchmal angefeindet werden in den eigenen Pastoralteams der Pfarreien und wenig Rückendeckung durch einige Bischöfe bekommen. 11 Jahre war ich zuständig für die Priester der Weltkirche in der Diözese Limburg und ich habe oft darunter gelitten, wie meine Mitbrüder aus der Weltkirche behandelt wurden, wie Schwestern und Brüder zweiter Klasse. Die deutsche Kirche geht kaputt an ihrer Besserwisserei und ihrem Geld. Dabei meinen noch viele, wir in der deutschen Pastoral hätten den richtigen Weg gefunden, den andere von uns lernen können. Hoffentlich lernen sie möglichst wenig von uns, denn wir sind in vielem auf dem Holzweg! Der richtige Weg heißt: Christus modellum nostrum. Dazu gehört auch die Ehelosigkeit, immer zusammen gesehen mit Gehorsam und Armut! 

Ja, ich kann es verantworten. Denn Christus modellum nostrum, heißt als erstes: Kreuzesnachfolge! Das hat Pallotti so erlebt und wir werden auch nicht davon verschont werden. Christus modellum nostrum heißt einer gebeutelten, nicht glorreichen Kirche in Treue dienen, weil es uns um die Liebe zu Gott und den Menschen geht. Nicht um unser Ansehen und darum, dass wir glanzvoll dastehen. 

Christus modellum nostrum, es geht um die Liebe. Diese Liebe Gottes die Menschen spüren zu lassen ist es wert, sein leben mit Jesus zu gestalten, für die Menschen herzugeben. Rio Chandra , die Studenten aus dem Colegio Urbano, haben recht: Im Blick auf Jesus, im Vertrauen auf den heiligen Geist, auf Maria geht es einfacher! Tutto sara facile! Dabei werden wir Menschen nicht ärmer, wir werden reicher. Dafür ist Vinzenz Pallotti Zeuge. Das durften viele von uns in der Nachfolge Jesu erfahren. Viele von uns, die im Geiste Pallottis in unserer Kirche wirken, in unseren Gemeinden und Gemeinschaften. Darum kann ich es verantworten, junge Leute aus aller Welt zu begleiten Priester zu werden, gerne Pallottiner zu sein, als Weltbürger zu leben. Darum will Vinzenz Pallotti uns alle ermutigen, gerne Christin, Christ, katholisch zu sein,  nach dem Motto: Christus modellum nostrum. Amen. 

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