Ansprache bei der Eucharistiefeier zum Pallottifest am 21. 1. 2024 – com-unio
     Wir haben gelernt, wie Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen. Doch haben wir die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben (Martin Luther King)

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Liebe Geschwister im Glauben!
MonikaVergangenen Sonntag war unser 2½-jähriger Enkel mit seinem Papa hier mit Gottesdienst in der Hauskapelle. Spontan hatte er mitkommen wollen. Es war spannend. Würde er sich ruhig verhalten? Der Bub war beschäftigt zu beobachten, schauen was sich bewegt, in den Liederbüchern zu blättern. Mich erinnerte es an die Zeit, als unsere Kinder so klein waren. So manches Mal habe ich während des Gottesdienstes ihren Blick auf die eine oder andere Heiligenfigur in unserer barocken Kirche gelenkt. Auf Petrus mit dem Schlüssel, Florian, der das Feuer löscht, die Engel. Von klein auf hat sich uns Katholiken ein Bild von den verschiedenen Heiligen eingeprägt - und sie wurden uns als Vor-Bilder hingestellt. Meist hoch erhaben über unseren Köpfen auf einem Podest. Abgehoben – fremd.

Im heutigen Gottesdienst sehen wir auch einen Heiligen vor uns. Ein wenig mehr auf Augenhöhe – auf einem Bild, das erst vor ca. 30 Jahren Walter Habdank gemalt hat. Vinzenz Pallotti, ein römischer Priester. 1795 geboren, 1850 verstorben und über hundert Jahre später, 1963 während des II. vatikanischen Konzils (von Papst Johannes XXIII), heiliggesprochen. Was verbindet uns mit diesem vor mehr als 200 Jahren geborenen Mann?

Als sich hier im Pallottinerkloster Hofstetten vor mehr als dreißig Jahren - auf die Einladung des neuen Rektors P. Norbert, eine Handvoll Leute fanden – war bei uns erst mal nur eine Suche nach Gemeinschaft und einer Gruppe, wo man sich über Leben und Glauben austauschen und miteinander die Bibel teilen kann. Nach und nach begannen wir, aus Werken des Heiligen zu lesen, erfuhren mehr von seinem Leben und tiefen Glauben. Eine Reise nach Rom - auf seinen Spuren - brachte uns den Heiligen aus dem 19. Jh. näher:

Aufgewachsen in der pulsierenden alten Stadt mit Papstpalast und Petersdom im Zentrum, unzählig vielen Kirchen mit Heiligenreliquien und katholischer Frömmigkeit allüberall, war Vinzenz schon als Kind bestrebt, besonders fromm und hilfsbereit zu sein. So heißt es, dass er sein Essen für Bettler aufsparte und versuchte Rekorde aufzustellen in heiligem Tun. Auf seinen Wegen zu Fuß durch die Stadt begegnen ihm Armut und Elend. Als Student meldet er sich freiwillig im Hospiz als Helfer, unterrichtet Kinder, die herumstreunen, gibt Abendkurse für Handwerker. Als junger Priester besucht er im nahen Gefängnis Gefangene, lehrt an der Hochschule und wird Spiritual im Priesterseminar. Stundenlang hört er Beichte, steht Sterbenden bei, möchte die „Seelen vor dem ewigen Tod retten“. „Ich möchte „Speise werden, um die Hungernden zu sättigen; stärkende Flüssigkeit, den Magen der Schwachen zu kräftigen; weiche Federn, um für die müden Glieder der Ermatteten eine Ruhestatt zu bieten; Arznei und Gesundheit, um die Krankheit der Kranken, Lahmen, Verstümmelten, Tauben, Stummen usw. zu heilen ...". Was er so in jungen Jahren schrieb, wird als Anforderung im Lauf seines weiteren Lebens schier endlos. Er packt zu, wo und wie er nur kann, um dann doch festzustellen: „Wieviel Gutes habe ich liegengelassen und nicht gefördert! Wieviel Böses habe ich nicht verhindert und sogar durch meine Kälte gefördert“- und sich vor Gott als „schlimmsten Sünder anzuklagen (und mit Lederriemen zu schlagen und selber zu bestrafen). Sind solcher Eifer und die Art „Frömmigkeit“ als Vorbild heute noch nachvollziehbar?

Ich merke, wie sich bei mir innerlich Abwehr zeigt, wenn der Mann, der immer da war für die Menschen, sich so klein macht und als unwürdig vor Gott hinstellt. Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich bei manchen Gebeten nicht mitbeten kann? Ist es egoistisch, wenn ich auf mich schaue, mir Zeit nehme und mir etwas gönne? VP hat es nicht getan. Er hat sein letztes Hemd geteilt, im wahrsten Sinn, obwohl schon krank, bei nasskaltem Januarwetter seinen Mantel einem Bettler gegeben, woraufhin er sich den Tod geholt hat – mit 54 Jahren. Musste das sein? Seine Brüdergemeinschaft hätte ihn noch gut brauchen und seine „Fromme Missionsgesellschaft“ hatte sich noch nicht weiter entwickeln können, war noch nicht gefestigt. Tue ich dem Heiligen Unrecht, wenn ich seine Worte kritisch prüfe, manches hinterfrage und dagegensetze: Da kann ich (und will) ich nicht mithalten. Ich werde gebraucht, von meiner Familie (als Pflegeperson, Oma, Gesprächspartnerin und Ratgeberin) und Menschen darüber hinaus. Ich habe (berufliche) Aufgaben und muss gerade in den vielfältigen Anforderungen unserer heutigen Welt auswählen, Prioritäten setzen, Haushalten mit meinen Kräften, je älter ich werde, umso mehr. Bedeutet Verehrung eines Heiligen Nachahmung, so handeln, wie er es tat? in der Katholischen Kirche wurde das lange so verstanden und von Gläubigen eingefordert. So habe ich es in meiner religiösen Sozialisation noch mitbekommen. Es war wie ein Kostüm anziehen zu müssen, das nicht zu einem passte. Wenn in den letzten Jahrzehnten viele ihrer Mitglieder die Kirche verlassen haben, hat es damit zu tun, dass sie sich des Kostüms entledigen? So frage ich mich – und: Was ist es, dass ich noch in der Kirche - und bei einer ihrer Geistlichen Gemeinschaften - geblieben bin?

Wieso haben wir das Bild eines Heiligen aus dem 19. Jahrhundert heute vor uns aufgestellt? Zwei Dinge sind es vor allem, die ich persönlich kennenlernen und entdecken durfte: Die Liebe Gottes, die Vinzenz Pallotti in allem sieht – und die Vision und Weite seiner „Unio“-Idee Auch die Begegnung mit „Pallottinern“ war prägend. Anfang der Siebziger und Achtziger waren Patres in unserer Pfarrei zur Volksmission. Am Ende des Jugendgottesdienstes teilten sie ein Streichholz aus mit den Worten: „Lass dich entzünden von der Liebe Gottes“. Es berührte mich. Vinzenz Pallotti war „Feuer und Flamme“ für Gott und mit Feuereifer bei der Sache. Manchmal schien er darin wie zu verbrennen. „Mein Gott … unendliche Barmherzigkeit …“ „Leben, Leben, Gnade, Gnade, Freude…“ stammelt er in seinen Tagebuchaufzeichnungen. In seinen Schriften sprudelt es nur so aus ihm heraus, in seinen vielen Briefen wirkt es wie mit flotter Feder und Tinte hingekritzelt. Im Italienischen klingen die Worte noch gefühlvoller als in der deutschen Übersetzung, wo sie eher schwulstig und sperrig wirken. So sind in den „Pallottinischen Gemeinschaftsgebeten“ für mich manchmal zu viel der Worte, die meine Lippen vielleicht noch mitsprechen, aber gedanklich bin ich öfter ausgestiegen.

Bis mir irgendwann einmal - während ich mich durch Pallottis Schrift „Gott die unendliche Liebe“ arbeitete – aufging: Das war Vinzenz' Art zu beten. Er konnte gar nicht genug der Worte finden, um sein Staunen über Gottes Größe und sein Gepackt-Sein von Gottes Liebe auszudrücken. Er versenkte sich in die Betrachtung von Jesu Leben und Leidensgeschichte und betete ohne Unterlass. Sein Tagesablauf war entsprechend gegliedert. „Caritas Christi urget nos“ – „Die Liebe Christi drängt uns“ wurde zu seinem Leitspruch und der seiner Gesellschaft. Daraus zog er Kraft, um für die Menschen in allen Lebenslagen da sein, Schwierigkeiten die sich ihm in den Weg stellten und Krisenzeiten durchstehen zu können.

Wenn ich so seine Biographie lese, wir mir bewusst: Was hätte der Mann auch anderes, besseres geben können an Halt und Trost, als von Gottes Barmherzigkeit zu sprechen, wenn er während der Choleraepidemie den Dahinsiechenden, den im Revolutionsjahr verwundeten Soldaten im Militärhospital, den zum Tode Verurteilten im Gefängnis beistand oder zu trauernden Angehörigen ging? War es nur „Himmelsvertröstung“ oder haben sie nicht durch sein Dasein (wenigstens ein klein wenig) etwas von (der) Liebe (Gottes) erlebt? Pallotti wählte das Unendlichkeitszeichen, die umgelegte Acht, als Symbol für Gottes unendliche Liebe und legte seinen Zuhörern und Briefadressaten ans Herz: „Sucht immer Gott, Gott in euren Gedanken, Gott in euren Werken, Gott in den Empfindungen eures Herzens, Gott in allen Dingen, Gott einatmen und Gott ausatmen“. Solchen Worten, die von innen kommen, kann ich irgendwie nicht entkommen. Ich möchte ergänzen:

Wenn wir solchen Empfehlungen folgen, verändert das unseren Alltag. Die Tagesroutine bekommt ein anderes Vorzeichen und manche enge Stresssituation entstehen gar nicht. Heute üben Gesundheitstrainer und Yogalehrerinnen mit uns, auf unsern Atem zu achten. In Kursen - auch hier in Hofstetten – wird das kontemplative Gebet (auch Herzens- oder Ruhegebet) angeboten an Wochenenden oder in Exerzitienwochen. Ich lerne, mich zu sammeln, meinen Leib zu spüren, einfach da zu sein im Augenblick, in der Gegenwart Gottes. Wenn ich mit meinem Atem das Mantra „Christus Jesus“ verbinde, komme ich zur Ruhe und kann größere Weite spüren. „Gott einatmen und Gott ausatmen“. Es ist eine schöne Erfahrung, wenn wir nach unserm Bibel teilen hier im Apostolatshaus noch einmal in die Stille kommen - wie auch schweigend verweilen bei der Anbetungsstunde in der Hauskapelle.

Noch etwas ist mir aufgefallen bei meiner Lektüre zur Vorbereitung dieses Pallottifestes. Mir wurde bewusst, welcher „Netzwerker“ der römische Priester war. Vinzenz war unglaublich stark, in Problemsituationen nach Lösungen zu suchen - und sie zu finden. Er gab nicht auf, bis eine Notsituation gelindert und Betroffenen geholfen war. Dabei setzte er alle Mittel ein – einschließlich „Fundraising“ und „Sponsoring“ – würden wir es heute nennen. (Mit seinen Eigenschaften könnte er auch im 21. Jh. erfolgreich für die Kirche sein. Die Bedienung eines PC und Handy müsste er sich vielleicht noch aneignen.) Damals schon erkannte er, dass „einer allein nichts vollbringen könne und sein Werk nur von kurzer Dauer sei“. Es brauche vielmehr ein Zusammenwirken aller. Bei einer Morgenmesse fiel ihm (im Jahr 1835) zu: „Gott hat in unendlicher Liebe den Menschen als sein Ebenbild geschaffen und berufen, Apostel zu sein. Es braucht ein Werk, in dem alle Stände und Berufe, Männer und Frauen, Kleriker und Laien sich zu beteiligen können, den Glauben neu zu entfachen und die Liebe neu zu entzünden, mit dem, was sie vermögen", und sei es noch so wenig.

„Gott braucht dich!“ sagte Pallotti den Leuten. Er traute, ja mutete ihnen etwas zu. „Du kannst das!“ Zutrauen, Würdigung und Werkschätzung – wo erfahren die Menschen heute das? Sehnen sich nicht alle nach Anerkennung und Liebe? Braucht es nicht auch heute das Mittun vieler? Wir Laien werden in der Kirche in Zukunft viel mehr gefragt sein, gerufen und beauftragt werden. Dabei nicht in einen Aktionismus zu verfallen, sondern uns von der unendlichen Liebe Gottes anstecken lassen und sie leben, da wo wir hingestellt sind – als Apostel und Apostelin – das wird es sein. Im Miteinander und Austausch, gegenseitiger Unterstützung und Zeugnis werden wir Stärkung erfahren. „Das Charisma des Miteinander - Hoffnungszeichen für die Kirche“ (war ein ansprechendes Referat von P. Edward Fröhling SAC, derzeiter Präsident des deutschen Koordinatsrates der Unio überschrieben). Auf Zusammenarbeit und Kooperation kommt es zukünftig an – statt Konkurrenz und ein Nebeneinander her (wie es häufig war). Ein Beispiel für Zusammenwirken – ganz in diesem Sinn - ist für mich, dass ihr vom Kirchenchor der Pfarrei Falkenstein ins Apostolatshaus gekommen seid und erneut die Pallottimesse singt. Es verbindet uns und macht unserem Gottesdienst zum Fest. Wenn Euer Pfarrer das Kloster nicht als Konkurrenz sieht, sondern im Pfarrbrief die Gottesdienste von Hofstetten mit aufnimmt und umgekehrt wir vom Apostolatskreis darin zu unserem Bibel teilen einladen „dürfen“, sind das kleine, positive Beispiele von „Gemeinsam Kirche sein“, wie sie wohl Pallotti erträumt hat. Auch die Initiativen, die durch das Jubiläum 100 Jahre Pallottiner in Hofstetten vor zwei Jahren entstanden, sind für mich Beispiele, die Hoffnung wecken. Freunde des Hauses Hofstetten aus der Umgebung und von weiter weg fanden sich nach dem Fest mit den Patres und dem Apostolatskreiszur „Zukunftswerkstatt“ zusammen, um Lösungen zu suchen, wie es ohne den „Nachschub“ an Patres weitergehen könnte, Kann (auch) zukünftig Hofstetten ein „Casa di ritiro“ – ein „Ort der Zurückgezogenheit, Einkehr und des Gebets“ sein (wie Pallotti ihn in der Zeit seiner Krankheit im Kloster Camaldoli in den Albaner Bergen fand und den Begriff mit in sein Regelwerk nahm), von dem auch etwas ausstrahlen kann? Im Schlusslied der Pallottimesse, die Ihr heut singt, ist alles dichterisch von (dem Herz-Jesu-Pater) Norbert Becker zusammengefasst. Ich möchte ihn noch vorlesen:

„Wir gehen unsern Weg als Schwestern und Brüder, Apostel der Liebe in unserer Zeit.
Wir stehen dir Gott, zur Sendung bereit.
Wir sorgen für die, die keine Hoffnung mehr haben, halfen einander, wo Armut und Not.
Wir kämpfen mit dir, Gott, gegen Unrecht und Tod!
Wir fragen nach Menschen, die am Rande stehen: In unserer Kirche, in unserer Welt.
Wir bauen mit dir, Gott ein bergendes Zelt.
Wir wagen den Weg heraus aus alten Zwängen wie Vinzenz Pallotti, mit Herz und Verstand.
Wir ziehen mit dir, Gott in neues Land."

Der Heilige ist mir nähergekommen.

Im Haus hier gibt es neben den Bildern des Gründers auch Skulpturen. Manchmal, wenn ich an der Bücherecke im Untergeschoß an Vinzenz Pallottis Büste vorbeigehe, streichle ich spontan über den Kopf und sage: „Danke Vinzenz für Dein Vermächtnis“ oder einfach: „Bete für uns bei Gott im Himmel!“

Am Ende des Gottesdienst bekam jeder Besucher ein größeres Zündholz gereicht mit dem Wort: Lass dich von der Liebe Christi entzünden.

Monika Urban UAC

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