Heute schon gestaunt? – com-unio

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Sonntag um 19:00 Uhr:

12. Juli 2026
"Heute schon gestaunt?"

9. August 2026:
Allein - oder einsam?


6. September 2026
4. Oktober 2026
1. November 2026
(Allerheiligen)
29. November 2026
(1. Advent)
20. Dezember 2026
(4. Advent)

 


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Staunen 11Polarlichter über der Rheinbacher Pallottikirche | Foto: Moritz Böß

Staunen – ein Wort, das viele Erfahrungen umfasst: sich wundern, etwas bewundern, überrascht sein oder für einen Moment sprachlos werden. Es beschreibt Augenblicke, in denen etwas unsere Aufmerksamkeit gewinnt und uns innehalten lässt. Zu Beginn unseres Treffens zum Thema Staunen betrachteten wir unterschiedliche Fotos aus der Natur. Die Bilder sollten uns in das Thema hineinführen und unseren Blick öffnen für das, was uns umgibt und was wir im Alltag manchmal übersehen. 

„Staunen – eine Haltung, die den Blick verändert“

Staunen ist eine der ursprünglichsten religiösen Erfahrungen überhaupt. Schon die Psalmen sind voll davon: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes“ (Ps 19,2). Kinder staunen mühelos – über einen Käfer, den ersten Schnee, ein Feuerwerk. Erwachsene verlernen es oft, weil der Alltag alles vertraut und selbstverständlich macht.

Interessant ist, dass sich das Staunen auch ganz praktisch bemerkbar macht. Wenn wir etwas erleben, das uns wirklich übersteigt – einen Sternenhimmel, ein neugeborenes Kind, ein Werk von überwältigender Schönheit –, tritt unser eigenes Ich für einen Moment in den Hintergrund. Wir fühlen uns klein, aber nicht bedrückt, sondern eingebunden in etwas Größeres. Stress und Grübeln lassen nach, das Zeitgefühl verändert sich, und Menschen werden in solchen Momenten nachweislich hilfsbereiter und großzügiger. Staunen ist also keine bloße Stimmung, sondern etwas, das uns tatsächlich verändert – weg von der Selbstbezogenheit, hin zur Welt um uns herum, und vielleicht auch zum Nächsten.

Genau das haben auch Glaubensdenker beschrieben, nur mit anderen Worten. Schon Thomas von Aquin sagte, alles Nachdenken über Gott beginne im Staunen. Der jüdische Denker Abraham Joshua Heschel ging noch weiter: Staunen sei nicht das Ergebnis des Glaubens, sondern seine Voraussetzung – man könne gar nicht beten, ohne zuvor gestaunt zu haben. Auch Papst Franziskus warnte immer wieder vor einer Haltung der Selbstverständlichkeit, die uns blind macht für Schöpfung, Mitmensch und Eucharistie: Wer nichts mehr erwartet, dem entgeht auch die Gegenwart Gottes. Das ist ein wichtiger Punkt in einer Welt, die Normalität geradezu bestraft: indem sie das Augenmerk auf Schlagzeilen, Sensationen und Katastrophen lenkt und den Blick für die Schönheit des Einfachen und des Echten verstellt.

Beide Sichtweisen treffen sich also im selben Punkt: Staunen relativiert unser Ich und öffnet einen Raum für Beziehung – zum Mitmenschen wie zu Gott. Unser heutiges Leben, durchgetaktet und auf Erklärbarkeit und Kontrolle ausgelegt, lässt dafür oft wenig Platz.

Was lässt uns staunen?

Im anschließenden Gespräch wurde deutlich, wie vielfältig die Momente des Staunens in unserem Leben sein können. Genannt wurden besondere Begegnungen und Überraschungen, etwa ein unerwarteter Geburtstagsbesuch, ebenso wie die Schönheit der Natur – ein Sonnenaufgang, ein Regenbogen, die Wolkenformationen oder das Erwachen der Natur im Frühjahr.

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Andere staunten rückblickend über den eigenen Lebensweg und darüber, heute an einem Ort im Leben angekommen zu sein, den sie sich einmal erhofft hatten. Auch herausfordernde Zeiten wurden angesprochen: Nach schweren Lebensphasen oder Zeiten der Unsicherheit kann ein Staunen darüber wachsen, was man geschafft hat und welche Kraft einem geschenkt wurde.

Ein weiterer Bereich war die Musik: Musik kann Menschen tief berühren und Erinnerungen wecken – und zugleich staunen lassen über die Kraft von Klängen, die Kreativität von Komponisten und die Meisterwerke, die daraus entstanden sind. Staunen kann man darüber, wie neue Ideen entstehen und die Welt verändern können – wie aus einer konkreten Situation heraus ein Gedanke wachsen kann, der sich entfaltet und schließlich auch für andere Menschen zum Segen wird. Das Staunen läßt Gottes Wirken und seine Gegenwart neu wahrnehmen: die Erfahrung, immer wieder neue Kraft geschenkt zu bekommen und sich von Gott getragen zu wissen. Die Eucharistie wurde als besonderer Grund zum Staunen hervorgehoben: Gott gibt sich uns in der Gestalt des Brotes in die Hand und schenkt uns darin seine Nähe und die Verbindung untereinander.

Darüber hinaus wurden gemeinschaftliche Erlebnisse als Anlass zum Staunen genannt. So beeindruckte bei der Fußball-Weltmeisterschaft die Erfahrung, wie Menschen gemeinsam feiern, mitfiebern und sich verbunden fühlen. Oft stand dabei weniger das Ergebnis im Vordergrund als vielmehr das Gefühl, dazuzugehören und diesen besonderen Moment mit anderen zu teilen.

Eine wichtige Spur des Gesprächs war der Zusammenhang von Staunen und Dankbarkeit, oder, wie Karl Barth es ausdrückte: „Sich freuen heißt Ausschau halten nach Gelegenheiten zur Dankbarkeit.“ Es wurde deutlich an diesem Abend, dass Staunen Freiräume braucht: Zeit zum Innehalten, Offenheit für den Augenblick und die Bereitschaft, nicht immer schon gedanklich beim nächsten Schritt zu sein. Für das Staunen braucht es Ruhe.

Unser Treffen hat auch gezeigt: Staunen ist mehr als ein kurzer Moment der Begeisterung. Es ist eine Haltung, die den Blick auf die Welt, auf andere Menschen und auf Gottes Wirken im Alltag verändern kann. Zum Abschluss unseres Treffens brachten wir in einer gemeinsamen Gebetszeit unseren Dank für all das Staunenswerte, das uns im Leben begegnet, vor Gott.

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