Nachfolge im "Mikroapostolat" – com-unio
     Gott spielt bei mir keine Rolle. Er ist der Regisseur. (Maria Luise Prean-Bruni)

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Offenes Treffen,
Sonntag um 19:00 Uhr:

22. Februar 2026
22. März 2026
26. April 2026

23. Mai 2026
Königin der Apostel


Treffen zur Fastenzeit
Zeit für Gott - Zeit für mich
Donnerstag, 26. Februar, 12. März und 26. März
jeweils um 19:00 Uhr


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Bildschirmfoto 2026 01 22 um 19.09.24 KopieDer Gedenktag des Gründers unserer Vereinigung war ein guter Anlaß, über dessen großes Anliegen zu sprechen: das "Apostolat aller". Ein Apostel zu sein ist dabei in mehrfacher Hinsicht gar nicht so einfach. Denn was ist das überhaupt - ein Apostel? Jünger, Nachfolger, Follower ... und wie verbindlich ist das gemeint? Welche sind die "Mindestanforderungen" und wie darf ich meine eigenen, bescheidenen Versuche und Bemühungen dabei bewerten? Wie erfahre ich, ob ich auf einem guten Weg bin? Fragen über Fragen, über die wir uns Gedanken gemacht haben. Dazu wählten wir den Begriff des "Mikroapostolats". 

Was könnte mit einem Mikroapostolat im Sinne von Vinzenz Pallotti gemeint sein? Mikroapostolat läßt sich mit Pallotti vielleicht als die kleinste, unscheinbarste und zugleich alltäglichste Form apostolischen Handelns verstehen – dort, wo kein offizielles Amt, keine Bühne und keine besondere Beauftragung nötig sind.

Ein Mikroapostolat geschieht im Maßstab des Konkreten: in einer einzelnen Begegnung, in einem kurzen Wort, in einer Haltung, in einer Entscheidung, die vom Geist des Evangeliums geprägt ist (und zwar auch ohne, dass dies im jeweiligen Augenblick bewusst wird). Es ist Apostolat im Modus des Kleinen, aber nicht des Belanglosen. Womit wir wieder bei Pallotti sind: Er selbst hielt sich für einen unbedeutenden Wurm, wusste aber genau, dass sein rastloser Antrieb, für andere da zu sein, keineswegs eine kokette Demutsübung war, sondern von diesen anderen unbedingt gebraucht wurde.

Pallottis zentrale Überzeugung, dass alle Getauften Apostel sind, impliziert genau dies: Apostolat ist nicht erst dann Apostolat, wenn es organisiert, sichtbar oder erfolgreich ist. Es beginnt dort, wo ein Mensch aus seiner Glaubenshaltung heraus handelt – sehr oft unbemerkt und ohne religiöse Sprache oder Geste.

Theologisch gesprochen könnte man dieses Mikroapostolat „inkarnatorisch“ nennen: Es nimmt ernst, dass Gott im Kleinen, Alltäglichen und Unscheinbaren wirkt. Psychologisch betrachtet knüpft es an die Macht der Mikrohandlungen an, die Beziehungen, Kulturen und Haltungen prägen, ohne dass sie sofort als „religiös“ etikettiert werden müssten.

Gerade hier zeigt sich Pallottis geistliche Weitsicht: Nicht alle sind zu „großen“, überall sichtbaren Werken aufgerufen – wohl aber zu wirksamer Treue im Kleinen. Das Mikroapostolat ist damit keineswegs eine Reduktion des Apostolats (oder ein „Apostolat light“), sondern seine konsequente Radikalisierung: Glauben nicht als Sonderzustand und mit dem Glanz einer großen Tat, sondern als gelebte Grundhaltung. In diesem Sinn könnte man sagen: Ein Mikroapostolat ist dort verwirklicht, wo ein Mensch – bewusst oder still – Zeichen der Liebe Gottes im Maßstab eines einzigen Moments wird. 

An dieser Stelle trugen wir die Gedanken der Anwesenden zusammen: was ist ein Mikroapostolat? 

Mikro Apostolat Whiteboard

Drei Perspektiven hierzu

1. Vom Großen zum Wesentlichen – eine geistliche Definition

Wenn wir an Apostolat denken, denken wir oft an das Große: an Sendung, Auftrag, Wirkung, vielleicht sogar an Erfolg. Vinzenz Pallotti lädt uns zu einem Perspektivwechsel ein. Er lenkt unseren Blick weg vom Maßstab der Größe hin zum Maßstab der Treue. Mikroapostolat heißt: Apostel sein im Kleinformat des Alltags. Nicht weniger ernsthaft, wohl aber unmittelbarer; nicht spektakulär, sondern echt.

Es ist die Überzeugung, dass Gott nicht erst dort wirkt, wo wir viel bewegen, sondern dort, wo wir ganz da sind. Ein Mensch, ein Moment, eine Haltung – mehr braucht es oft nicht an "Zutaten", damit das Evangelium Gestalt annimmt. Apostolat beginnt nicht mit dem, was wir leisten, sondern mit dem, was wir zulassen - sodass Gottes Liebe durch uns hindurchscheint.

2. Von der Organisation zur Beziehung – ein Impuls für Gemeinschaft

Pallotti hat die Unio nicht gegründet, um eine weitere kirchliche Struktur zu schaffen, sondern um eine geistliche Dynamik freizusetzen: die gemeinsame Verantwortung aller. Mikroapostolat ist deshalb nie nur privat. Es wirkt relational. Es schafft Beziehung und es verändert die Qualität von Gemeinschaft. Wo Menschen einander nicht instrumentalisieren, sondern ernst nehmen, wo Unterschiede nicht trennen, sondern bereichern, wo nicht gefragt wird: Wer ist zuständig?, sondern: Was hilft jetzt gerade weiter?

Dort geschieht Apostolat im pallottischen Sinn. Eine Gemeinschaft lebt nicht von großen Programmen allein, sondern von vielen kleinen Akten gegenseitiger Achtung, Geduld und Verlässlichkeit. Mikroapostolate sind so gesehen wie feine Nähte: kaum sichtbar, aber sie halten das Ganze zusammen.

3. Vom Ideal zur Praxis – eine geistlich-psychologische Übung

Und nun ganz konkret: Mikroapostolat ist kein zusätzliches Tun, sondern eine innere Ausrichtung, die unser Handeln färbt. Es geschieht in drei einfachen Akten:

Wahrnehmen: Wer steht mir jetzt wirklich gegenüber?
Innehalten: Was wäre hier eine liebevolle, wahrhaftige Reaktion?
Handeln: Nicht perfekt, aber ehrlich.

Psychologisch wissen wir: Kleine Handlungen prägen langfristig Haltungen. Geistlich wissen wir: Gott wirkt durch unsere Freiheit im Jetzt. Vielleicht kann mein heutiges Mikroapostolat daher sein:

  • nicht zu urteilen, wo ich sonst schnell bewerte,
  • präsent zu bleiben, wo ich mich zurückziehen möchte,
  • freundlich zu sein, ohne etwas zurückzubekommen,
  • oder schlicht treu zu sein im Unspektakulären.

Vinzenz Pallotti hat uns keine Spiritualität der Überforderung hinterlassen, sondern eine ermutigende Verantwortung. Mikroapostolat heißt: Ich muss nicht alles verändern – aber ich darf diesen Moment mit Sinn füllen. Wer weiß. Vielleicht ist ja genau das die stille Kraft, die Kirche heute braucht: nicht mehr Lautstärke, sondern mehr Dichte; nicht mehr Programme, sondern mehr gelebte Gegenwart. Denn wo Liebe konkret wird, dort ist Apostolat.


Eine Gebetszeit schloß direkt an diese Überlegungen an.

Gott des Lebens, du wirkst nicht nur im Großen, sondern auch im unscheinbaren Alltag.
Wir vertrauen auf deine Gegenwart in allem, was unser Leben ausmacht.

Du bist da in jedem Augenblick, oft verborgen, oft leise.
Du öffnest uns die Augen für dein Wirken mitten unter uns.
Du begegnest uns in jedem Menschen.
Du lehrst uns Aufmerksamkeit und Barmherzigkeit.

Du traust uns zu, Zeichen deiner Liebe zu sein – in jedem Wort, in jeder Begegnung, in jeder kleinen Handlung, hier und jetzt.
Du stärkst unsere Treue im Unspektakulären unseres Alltags.
Du hast Vinzenz Pallotti die Gewissheit geschenkt, an die Sendung aller zu glauben.
Sein Vertrauen lebt weiter, als Geist der Verantwortung und der Hoffnung.

Vinzenz Pallotti sagt: „Wir müssen Gott in allem finden und Gott allen mitteilen, Gottes Gegenwart ausstrahlen.“
Wir wollen unser Leben zu einem Zeugnis deiner Liebe werden lassen.
Du verbindest uns in aller Verschiedenheit.
Du erfüllst uns mit deinem Geist der Einheit.

Abschlussgebet

Gott unseres Lebens,
du hast Vinzenz Pallotti erfüllt mit Liebe zu dir und zu den Menschen. Lehre auch uns, dich in allem zu suchen, dich in unserem Alltag zu entdecken und deine Gegenwart, auch im Kleinen, auszustrahlen. Auf die Fürsprache des Hl. Vinzenz Pallotti bitten wir, dass unser Apostolat von deiner Liebe und der Kraft des Heiligen Geistes durchdrungen wird. Sende uns in unsere Welt mit deinem  Segen:

Er segne unsere Augen, damit sie sehen, wo Liebe gefragt ist.
Er segne unsere Hände, damit sie Gutes tun, auch wenn es niemand bemerkt.
Er segne unser Herz, damit es weit bleibt im Kleinen wie im Großen.

So segne uns der uns unendlich liebende Gott: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, Amen.

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